Ich wurde letztens in einem Gespräch gefragt. Welches Fitnesstudio empfiehlst du mir, wenn ich jetzt mit dem Training anfangen will? Und wie es meist bei solchen Fragen ist, war mein erster Gedanke. Naja es kommt drauf an. Nachdem es das perfekte Fitnessstudio für alle nicht gibt musste ich auch erstmal ein paar Fragen zurück stellen, um rauszufinden was für die Person überhaupt wichtig war, um dann auch eine gute Empfehlung geben zu können. Und so hab ich mir gedacht, dass es bestimmt noch mehr Leuten so geht. Sie haben beschlossen, etwas für sich machen zu wollen und mit dem Krafttraining anzufangen, aber stehen jetzt vor der Entscheidung. Wo soll ich am besten hingehen.
In den meisten Städten hast du eine Auswahl an verschiedenen Ketten und auch lokalen Fitnessstudios in den verschiedensten Preisklassen und mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung.
Und in der Regel bindest du dich mit einem Vertrag ja mindestens schonmal ein Jahr für ein Studio. Deswegen gehe ich heute mal ein paar wichtige Punkte durch, um dir bei der Wahl des richtigen Fitnessstudios zu helfen.
1. Preis
Klar, der erste Punkt, der wahrscheinlich bei vielen auch einer der entscheidenden ist, ist der Preis. Von der günstigsten Kette bis zum teuren Edelgym gibt es eine relativ große Spannbreite wie viel ein Fitnessstudio pro Monat kostet. Teuer ist dabei nicht automatisch gut und günstig nicht automatisch schlecht. Du solltest dir erstmal überlegen, was dir wichtig ist und was du tatsächlich brauchst. Wenn du einfach nur trainieren willst, dann brauchst du vielleicht keine Kurse und keinen Wellnessbereich und kannst dir so Geld sparen. Ist es dir aber wichtig, dass bestimmtes Equipment vorhanden ist oder du willst eine Betreuung, die über den sonst eher niedrigen Standard hinausgeht, dann musst du meistens dafür auch entsprechend mehr bezahlen.
Aber wir sollten hier auch nicht an der falschen Stelle sparen. Im Idealfall ist das Gym ja ein Ort, an den wir mehrmals pro Woche hingehen und an dem wir uns entsprechend wohlfühlen sollten. Wenn du dir ein Fitnessstudio aussuchst, dass zwar günstig ist, aber du dich überhaupt nicht wohl fühlst, kann es schnell passieren, dass du nach kurzer Zeit schon nicht mehr hingehst und dann zwar einen günstigen Preis hast, den aber dann umsonst zahlst, weil du es nicht ausnutzt. Deswegen schauen wir uns jetzt erstmal die anderen Punkte an und kommen dann am Ende nochmal auf den Preis zurück.
2. Location
Nicht unterschätzen solltest du die richtige Lage für dein Fitnessstudio. Ist das Studio in der Nähe von deinem zu Hause? Oder fährst du auf dem Weg zur und von der Arbeit dran vorbei? Im Idealfall liegt das Gym nahe an deinen täglichen Strecken, sodass du mehr oder weniger eh dran vorbeifährst. Das senkt schonmal die Schwelle hinzugehen. Aber wenn du immer am Wochenende trainieren willst, dann nützt es nichts, wenn es zwar in der Nähe von deiner Arbeit ist, aber der Weg dahin von zu Hause aus weit weg ist. Je weiter weg dein Studio ist, desto größer ist auch der Aufwand zum Training zu kommen und desto wahrscheinlicher siegt auch die Bequemlichkeit, wenn die Motivation an einem Tag mal nicht so groß ist. Wenn du aber eh dran vorbeifährst, dann hast du schonmal eine Ausrede weniger für dich selbst. Wenn du mit dem Auto fährst, sollten auch entsprechend Parkplätze da sein, damit du ohne Stress ins Training kommst und wenn du mit den Öffentlichen fährst, sollte das Studio damit auch gut erreichbar sein.
3. Öffnungszeiten
Manche Fitnessstudios haben rund um die Uhr geöffnet. Das ist natürlich praktisch, wenn man auch mal sehr früh, z. B. vor der Arbeit, oder eben erst spät am Abend trainieren will. Andere Gyms haben feste Öffnungszeiten, die häufig an Wochenenden und Feiertagen auch mal kürzer sind als unter der Woche. Wenn das in deinen eigenen Zeitplan gut reinpasst, super. Wenn du aber jederzeit flexibel trainieren können möchtest, dann ist das schon mal ein Ausschlusskriterium. In jedem Fall solltest du, bevor du dich anmeldest, mal einen genauen Blick auf die Öffnungszeiten werfen.
4. Ausstattung
Je nachdem, was dein Ziel ist bzw. welche Art von Training du bevorzugst, sollte das Fitnessstudio natürlich auch die entsprechende Ausstattung haben. Willst du hauptsächlich mit Maschinen trainieren? Dann solltest du schauen, ob sich die Maschinen gut auf dich persönlich einstellen lassen und sich die Bewegungen gut anfühlen und auch ob die Maschinen in gutem Zustand sind.
Willst du frei trainieren, Powerlifting machen oder vielleicht auch mal Übungen aus dem Gewichtheben ins Training integrieren? Naja dann sollte auch entsprechendes Equipment wie gute Langhanteln und Abwurfplattformen oder vielleicht auch passende Kurzhanteln oder Kettlebells vorhanden sein. Auch ausreichend freie Fläche, damit du dich entsprechend frei bewegen kannst, sollte da sein.
Auch die Qualität sollte stimmen. Ich persönlich finde schlechtes oder kaputtes Trainingsequipment super nervig. Das Training macht einfach weniger Spass und ich muss mich unnötig rumärgern. Wenn z. B. die Kabelzüge schlecht laufen, dann ist das für mich ein Ausschlusskriterium. Wenns es beim Training mit viel Gewicht die ganze Zeit hakt und ruckt, dann fühlt sich einfach scheiße an. Und Training soll schließlich Spaß machen und sich währenddessen auch gut anfühlen. Und letztendlich ist es ja auch ein gewisser Sicherheitsfaktor, wenn alle Geräte gut gewartet sind. Ich will jedenfalls nicht den Gedanken im Hinterkopf haben, dass mir gleich das Seil um die Ohren fliegen könnte, wenn ich am Kabelzug ziehe.
5. Betreuung
Wenn du schon länger trainierst und genau weißt was tust, dann ist die Betreuung im Studio für dich vielleicht eher zweitrangig. Wenn nicht, dann ist die Betreuung ein wichtiger Punkt, der meistens leider unterschätzt wird. Klar, fast jedes Fitnessstudio bietet irgendeine Form von Trainingsplanung und grundlegender Einweisung an. Aber es macht einfach einen riesen Unterschied ob du in einem Studio eine böse gesagt etwas bessere Thekenkraft hast, die dir den 0815 Trainingsplan mit den Standardgeräten zeigt, den jeder in dem Studio bekommt oder ob wirklich gut ausgebildete Trainer da sind, die individuell auf deine Ziele und auch deine persönlichen Voraussetzungen eingehen. Häufig musst du individuelle Trainerstunden auch nochmal zusätzlich buchen und bezahlen.
Eine gute Betreuung macht aber einen riesigen Unterschied, ob du tatsächlich Fortschritte machst und deine Ziele erreichst oder ob du nach einiger Zeit die Motivation verlierst, weil du gefühlt nur auf der Stelle trittst oder vielleicht sogar Schmerzen beim Training bekommst. Wenn du dich mit dem Training nicht so gut auskennst, dann kann ich dir nur empfehlen, das Geld in eine gute Betreuung zu investieren. Du wirst schneller an dein Ziel kommen und dabei deutlich weniger Probleme haben, als wenn du versuchst, durch trial and error selbst den besten Weg herauszufinden.
6. Klientel
Jedes Fitnessstudio hat sein eigenes Klientel. Das kann auch je nach Uhrzeit, zu der du ins Studio gehst, unterschiedlich sein. Auf jeden Fall sollte es aber zu deinen eigenen Vorstellungen passen. Magst du laute Musik im Training oder willst du lieber deine Ruhe haben? Was denkst du über ein Lifestylegym in dem das richtige Outfit wichtig ist und jeder sich selbst für Social Media filmt? Stört es dich, wenn überall hardcore Pumper oder leistungsorientierte Crossfitter oder Powerlifter um dich rum sind, die auch mal Hanteln abwerfen oder im Training laut stöhnen. Oder willst du vielleicht genau das und fühlst dich in einem eher ruhigeren Rentnerfitnessstudio oder Wellnesstempel völlig fehl am Platz? Egal wie deine Antwort jetzt war und wo du dich am wohlsten fühlst, es ist ein wichtiger Punkt, den du bei deiner Wahl beachten solltest, damit du dich langfristig wohl fühlst.
7. Probetraining
Und damit kommen wir auch schon zum letzten Punkt. Um all das herauszufinden, empfiehlt es sich natürlich einfach mal ein Probetraining in den verschiedenen in Frage kommenden Fitnessstudios auszumachen. Nur so merkst du, ob du dich in dem Ambiente wohl fühlst. Es nützt aber nichts, wenn du dir in deinem Urlaub zu entspannter Zeit ein Fitnessstudio anschaust, um dann festzustellen, dass du, wenn du nach der Arbeit hingehst, nicht richtig trainieren kannst, weil das Gym zur Rush Hour komplett überlaufen ist. Deswegen solltest du nach Möglichkeit ein Probetraining auch immer zu der Zeit machen, zu der du später auch tatsächlich trainieren gehen willst. Wenn du dich schon auskennst und weißt wie du trainieren willst, kannst du schauen ob alles Equipment, dass du brauchst auch in ausreichender Zahl vorhanden ist, ob es gut funktioniert und sich für dich gut anfühlt. Wenn du noch keine Ahnung hast, dann solltest du dir das Studio vom dortigen Personal gut zeigen lassen und im Idealfall auch schonmal ein bisschen was ausprobieren können, damit du merkst, was dir gefallen könnte und was nicht. Da bekommst du dann auch schon einen ersten Eindruck, ob die Betreuung dir zusagt oder nicht.
Und jetzt wären wir wieder beim Preis. Brauchst du Kurse, Sauna, Wellness etc. oder willst du einfach nur das Trainingsequipment nutzen? Legst du Wert auf ein edles Ambiente oder eine hochwertige Betreuung? Alles das kostet natürlich Geld. Du brauchst kein teures Gym, das alle möglichen Sonderleistungen bietet, wenn du diese nicht nutzen willst. Aber ein bisschen mehr zu bezahlen für die Punkte, die dir wichtig sind, lohnt sich in meinen Augen schon, wenn du dadurch mehr Erfolg und Spass im Training hast. Klar musst du immer auch schauen, was für dich finanziell möglich ist. Aber am Ende ist es ja auch eine Investition in dich und deine Leistungsfähigkeit und Gesundheit.
Ganz wichtig bei deiner Entscheidung. Rede dir Sachen nicht schön. Wenn es Dinge gibt, die dich direkt schon stören, auch wenn es vielleicht nur Kleinigkeiten sind, dann ist das Gym wahrscheinlich nicht die richtige Wahl für dich. Weil auf Dauer werden die Kleinigkeiten dann nämlich schnell sehr nervig und du verlierst die Lust am Training. Wenn du dann auch noch eine lange Vertragslaufzeit hast, ärgerst du dich nur unnötig.
Eine Überlegung die du vielleicht bei deiner Wahl auch noch hast.
Wie schauts mit einem Homegym aus? Wäre es nicht einfacher und auf Dauer billiger, wenn du dir dein eigenes Equipment kaufst und zu Hause trainierst? So könntest du dir das Fitnessstudio ja ganz sparen. Klingt erstmal gut.
Aber nach meiner Erfahrung kommt das nur für wenige Menschen wirklich in Frage. Bei den meisten landet das Equipment nach kurzer Zeit schon irgendwo in der Ecke und wird nur noch als Ablage benutzt. Weil irgendwie hat man dann meistens nicht so wirklich viel Platz um sich zu bewegen und muss aufpassen, dass man nirgends anstößt oder den Boden kaputt macht. Und wenn man nicht wirklich hochwertiges Equipment kauft, dann machts irgendwie auch nicht so richtig Spass und Abwechslung durch verschiedenes Equipment hat man auch nicht. Außerdem hat man daheim so viele Ablenkungen, die einen schnell wieder vom Training abbringen. Zumindest ist das meine Erfahrung. Ich kenne aber auch Leute, bei denen das gut funktioniert. Die sind aber die große Ausnahme. Wenn man in ein richtiges Fitnessstudio fährt, dann macht man sein Training normal auch tatsächlich. Jetzt bin ich ja extra schon hergefahren, da fahr ich ja nicht einfach wieder heim. Im Homegym ist deutlich einfacher, einfach zu sagen, jetzt reichts und wieder was anderes zu machen.
Deswegen spar dir lieber das Geld für eigenes Equipment und fang erstmal im Fitnessstudio an. Wenn du dann merkst, was genau dir Spass macht und was du für deine Übungen brauchst, kannst du immer noch überlegen, ein Homegym aufzubauen. Aber dann kannst du auch schon besser einschätzen, was genau du brauchst und worauf du wert legst und ersparst dir so hoffentlich ein paar Fehlkäufe.
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